China hat eine Mauer gebaut. Heutzutage baut man Mauern nicht mehr nur
über Hügel und Felder, sondern auch im Internet. Die Menschen in China
leben hinter einer Mauer, und nur was die chinesische Regierung
erlaubt, darf durch diese Mauer hindurch ins Land kommen. Da tausende
Reporter jetzt das Reich der Mitte bereisen, um dort über die "Olympischen Spiele"
zu berichten und um die Völkerverständigung voranzutreiben, stehen sie
ebenfalls vor dieser Mauer, wenn sie das Land elektronisch verlassen
wollen. Ganz genauso wie die Chinesen selbst auch.
Tatsächlich ist aber eine informationstechnische Mauer
löchriger als ihr reales Pendant. Mit nur wenigen Handgriffen und
vielleicht ein wenig Hilfe von außen kann sich jeder sein eigenes Loch
in dieser Mauer schaffen. Zensur im Internet ist nicht nur ein
ungerechter Versuch, Information zu kontrollieren. Zensur ist auch zum
Scheitern verurteilt.
Wir wollen zeigen, daß man sich nicht mit der Zensur abfinden
muß. Wir wollen Reportern und anderen Interessierten helfen, ihr Loch
in der Mauer zu finden und das Recht eines jeden Menschen nach freiem
Zugang zu Informationen zu nutzen.
Wie funktioniert Internetzensur?
Internet wird auf Kabel- oder auch Satellitenwegen verbreitet. Das
macht die Aufgabe, eine Mauer zu errichten, in einer Hinsicht leichter,
da man nur wirksame Schranken an den Übergangspunkten errichten muß.
Damit hört die Analogie noch nicht auf, denn auch ein Internetzöllner,
"Gateway" genannt, kann die Grenze meist nicht einfach sperren. Deshalb
muß der Zöllner entscheiden, was passieren darf und was nicht.
Ein Internetzöllner kann sich zum Beispiel anschauen, welche Rechner
miteinander reden wollen. Ein Computer Alice im chinesischen Kernland
möchte so vielleicht eine Webseite auf Computer Bob im Ausland
anschauen. Also schickt Alice eine Anfrage auf den Weg. Der
Internetzöllner schaut dann auf einer Sperrliste nach. Wenn Bob auf
dieser Liste steht, dann läßt er die Nachricht nicht durch, vielleicht
schickt er Alice auch eine eigene Antwort zurück.
Tatsächlich kann der Zöllner sich natürlich die gesamte Anfrage
anschauen und viele verschiedene Sperrlisten konsultieren. Er kann die
Anfrage und natürlich auch eine etwaige Antwort auf verbotene Wörter
durchsuchen, er kann schauen, ob sie vielleicht zu lang oder zu kurz
ist oder ob der Absender vielleicht ebenfalls auf einer Liste steht.
Aber wie an einer normalen Grenze können die Dinge, nach denen der
Zöllner sucht, gut versteckt sein. Und auch im Internet gibt es
Warteschlangen, die länger werden, während die Abfertigung läuft.
Wie spaziert man durch die Mauer?
Tatsächlich ist die Aufgabe eines "Internetzöllners" komplizierter. Er
kann nur Daten filtern und zensieren, die er auch sehen kann. Es gibt
daher eine Reihe von Netzdiensten, welche die kritischen Daten so
verpacken, daß der Zensor sie nicht erkennen kann. Im Kern gibt es drei
Prinzipien, um die Daten am Zöllner vorbeizuschmuggeln:
1. Der Proxy
Ein Proxy ist ein Computer irgendwo im Internet, der
darauf programmiert ist, Daten einfach nur weiterzuleiten. Dabei sollte
die Verbindung vom Webbrowser zum Proxy mit dem gleichen Verfahren
verschlüsselt werden, das auch für das Online-Banking verwendet wird
(SSL). Der Zensor sieht in diesem Falle nur, das verschlüsselte Daten
zwischen dem Proxy und dem Webbrowser ausgetauscht werden. Proxies gibt
es auch für andere Dienste als für Webseitenabrufe (z. B. E-Mail oder
Chat), dies erfordert jedoch meist umfangreichere Konfiguration. Es
gibt eine ganze Reihe von freien und kostenpflichtigen Proxy-Diensten
für das Web. Proxy
2. Der Anonymisierungsdienst
Ein Anonymisierungsdienst leitet jede
Internet-Kommunikation des Computers durch eine Reihe von Computern im
Internet, sodaß der Ursprung der Anfragen nicht mehr ohne weiteres
feststellbar ist. Dabei wird sowohl die Kommunikation zwischen dem
eigenen Computer und den Anonymizer-Servern als auch zwischen den
Servern verschlüsselt, sodaß ein Einblick in die Daten nicht möglich
ist. Ein Nachteil von Anonymisierungsdiensten kann die vergleichsweise
langsame Netzwerkgeschwindigkeit sein. Das wichtigste und am besten
funktionierende Anonymisierungsnetzwerk ist das Tor Project. freedomstick
3. Das VPN (Virtuelles Privates Netwerk)
Ein VPN ist ein
verschlüsselter Tunnel vom eigenen Computer zu einem sogenannten
Endpunkt. Durch diesen Tunnel werden alle Anfragen verschlüsselt und
sind so der Kontrolle durch den Zensor entzogen. Üblicherweise werden
VPNs eingesetzt, um mobilen Computern den sicheren Zugriff auf das
heimatliche Firmennetzwerk zu ermöglichen. Über den Endpunkt wird der
mobile Computer dabei so behandelt, als befände er sich direkt im
Firmennetz. Ein VPN erfordert meist die Installation eines kleinen
Softwarepaketes und eventuell einige simple Konfigurationsschritte.
Viele Redaktionen bieten ihren Redakteuren bereits VPN-Verbindungen als
Arbeitsmittel an, es lohnt also in der IT-Abteilung nachzufragen. Des
weiteren gibt es eine Reihe von freien und kommerziellen Anbietern, die
VPNs mit einem Endpunkt irgendwo im freien Internet bereitstellen.